SZ-Artikel: „Wissen kann kein Eigentum sein“

In der Süddeutschen hat Prof. Rainer Kuhlen, Informationswissenschaftler von der Uni-Konstanz, am 25. August unter dem Titel „Wissen kann kein Eigentum sein – Warum gibt es noch eine exklusive kommerzielle Verwertung von wissenschaftlichen Werken, die mit öffentlichen Mitteln hergestellt wurden?“ einen streitbaren Artikel zur Problematik des häufig monopolisierten Zugangs zu wissenschaftlichen Werken veröffentlicht [ODT] [PDF]. Als Mitinitiator des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ hat er bereits langwierige Lobby-Schlachten rund um die so genannten Körbe 1 und 2 zum Urheberrechtsgesetz durchgefochten und weiß daher besser als die meisten anderen, wie es steht um Open Access in der deutschen und europäischen Wissenschaftslandschaft.

Creative Commons Statistiken

Wieviele Creative Commons lizenzierte Werke gibt es eigentlich? Das ist schwierig herauszufinden. Trotzdem wird jetzt wieder regelmässig der Versuch gestartet, mittels Technologie Zahlen zu ermitteln. Dies geht z.B., indem man die Backlinks auf die einzelnen Lizenzen bei Suchmaschinen ermittelt und zusammen addiert. Das ist zwar eine ungenaue Methode, weil Suchmaschinen längst nicht alles ermitteln, aber besser als nichts. Zumindest sind Trends erkennbar, wie eine aktuelle Grafik zeigt:

Demnach sind aktuell 130 Millionen CC-lizenzierte Werke ermittelt worden.

Mehr zum Hintergrund und der Methode findet sich im CC-Wiki.

Release im Dezember: Die letzte Droge

Der Release des aktuellen Filmprojekts vom Open-Source-Netlabel VEBFilm Leipzig ist jetzt offiziell für den Dezember angekündigt. „Die letzte Droge“ wird dabei unter der Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen – Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. Diese Lizenz lässt auch eine kommerzielle Verwendung zu. Stefan Kluge von VEBFilm Leipzig erklärt in einem Papier, warum sie das machen. „Die letzte Droge“ wird der erste freie Spielfilm in HD-Qualität aus Deutschland sein. Wir haben die Beta-Version schon gesehen und freuen uns auf das offizielle Release.

Mehr Hintergrund gibt es im Netzpolitik-Podcast 052: Das Open-Source Film-Netlabel VEB Film Leipzig.

Österreich: Creative Commons 3.0

Auch in Österreich gibt es jetzt die Creative Commons Lizenzen in der Version 3.0:

Seit heute stehen die CC-Lizenzen in der Version 3.0 in der „österreichischen“ Variante der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dabei handelt es sich um die Übersetzung und Anpassung der ursprünglichen englischsprachigen Lizenzen in der Version 3.0, die eine Anwendbarkeit in Österreich garantieren soll. Zu diesem Zweck wurde insbesondere auf die sprachlichen Eigenheiten des österreichischen Urheberrechts Rücksicht genommen, um eine Durchsetzung vor einem inländischem Gericht zu erleichtern. Neu in den Lizenzen der Generation 3.0 sind unter anderem die Berücksichtigung des Datenbankrechts, der Urheberpersönlichkeitsrechte sowie der Vergütungsansprüche bei gesetzlichen Lizenzen und Zwangslizenzen.

Eine kurze Kommentierung, die die Neuerungen beschreibt sowie die Unterschiede im Vergleich zu den deutschen Lizenzen erläutert ist hier abrufbar . Die Portierung erfolgte durch den Legal Project Lead von Creative Commons Österreich, Florian Philapitsch.

Freie Lizenzen gewinnen vor US-Gericht

Vor dem höchsten US-Gericht für IP-Fragen wurde jetzt eine Entscheidung im Sinne freier und offener Lizenzen getroffen. Die Futurezone beschreibt den Fall: US-Gericht schützt freie Lizenzen.

Konkret ging es um den Fall Jacobsen vs. Katzer. Der Programmierer Robert Jacobsen hatte eine Java-Software zur Steuerung von Modelleisenbahnen unter der freien Artistic License [1.0] kostenlos ins Netz gestellt. Die Artistic License verpflichtet Programmierer, die den unter ihr veröffentlichten Code weiterverwenden dazu, ihr Programm unter den gleichen Bedingungen zu verbreiten. Die Firma Matthew Katzer and Kamind Associates, die Software für Modelleisenbahnen entwickelt, hatte Katzers Code in eines ihrer Produkte integriert und diese ohne Nennung des ursprünglichen Autors weiterverkauft, schreibt das Gericht. Das hätten sie nach den Bestimmungen der Artistic License nicht tun dürfen. Jacobsen klagte Katzer/Kamind 2006 wegen Urheberrechtsverletzung, nachdem diese ihn ihrerseits mit Klage wegen Patentverletzung gedroht hatten.

Die Entscheidung ist logisch und bestätigt die Wirksamkeit von freien und offenen Lizenzen. Wenn sich nicht an die Bedingungen der Lizenz gehalten wird, kommt der Lizenzvertrag mit der Gewährung von Nutzungsfreiheiten nicht zustande und es entsteht eine normale Urheberrechtsverletzung. Ein ähnliches Urteil haben wir in Deutschland schon rund um die Frage von GPL-Violations gehabt. Freut mich, dass es jetzt auch ein Musterurteil in den USA gibt.

Creative Commons kommentiert das US-Urteil: THE “IP” Court Supports Enforceability of CC Licenses.

The Court held that free licenses such as the CC licenses set conditions (rather than covenants) on the use of copyrighted work. As a result, licensors using public licenses are able to seek injunctive relief for alleged copyright infringement, rather than being limited to traditional contract remedies. Creative Commons founder Lawrence Lessig explained the theory of all free software, open source, and Creative Commons licenses upheld by the court: “When you violate the condition, the license disappears, meaning you’re simply a copyright infringer. This is the theory of the GPL and all CC licenses. Put precisely, whether or not they are also contracts, they are copyright licenses which expire if you fail to abide by the terms of the license.” Lessig said the ruling provided “important clarity and certainty by a critically important US Court.”

Siehe auch: Court: violating copyleft = copyright infringement.

ARD: Olympia-Comedy unter CC

Die ARD bietet auf ihren Olympia-Sonderseiten peking.ard.de jetzt eine Staffel „Olympia-Comedy„. Das schöne daran ist, dass alle Beiträge unter einer Creative Commons Lizenz stehen (CC-BY-NC-ND) und die Folgen werden auch bei Youtube eingestellt.

In acht Folgen präsentiert Klaas Butenschön bis zum Ende der Sommerspiele in Peking einige der olympischen Sportarten auf etwas andere Art und Weise – mit einem Augenzwinkern. So zeigt er zum Beispiel, dass die Ringer die zärtlichsten aller olympischen Sportler sind. Und auch, dass es Synchronspringer niemals wagen würden, alleine vom Sprungturm zu hüpfen. Die schlauesten Sportler sind laut Klaas übrigens die Gewichtheber. Wer hätte das gedacht?

Besser wäre noch eine Remix-fähige CC-Lizenz, aber das lernen sie dort auch noch irgendwann.

[Danke an Meike für den Hinweis]

Creative Commons auf der c/o pop

Im Rahmen der „Professional c/o pop„-Konferenz in Köln präsentieren Andreas Gebhard und Markus Beckedahl von newthinking communications in einem Workshop die Nutzung von Creative Commons Lizenzen mit einem speziellen Fokus auf den Musikmarkt.

Creative Commons wird für Kulturschaffenden aller Bereiche durch die zunehmende Digitalisierung immer bedeutender. Praktische Anwendungen und wünschenswerte Weiterentwicklungen der Creative Commons-Lizenzen sollen, wenn möglich zusammen mit den Vertretern der Verwertungsgesellschaften, diskutiert und umgesetzt werden. Auch die neuen, kommerziell nutzbaren CC+-Lizenzen werden im Rahmen des Workshops vorgestellt.

Der Workshop findet am Donnerstag, den 14. August von 14:00 – 16:00 im „carpet room“ auf der c/o pop statt.

„Die Befreiung der Information“ unter BY-NC-ND

Unter www.die-befreiung-der-information.de ist ein lesenswertes Buch zu finden, das sich mit der Welt der freien Information und ihren Auswirkungen beschäftigt. Geschrieben hat es André Spiegel, seineszeichens Informatiker, Linux-Entwickler und Autor aus Berlin. Hier machen er und der Verlag (Matthes & Seitz Berlin) nicht nur inhaltlich, sondern auch bei der Realisierung des Buches deutlich, dass alternative Lizenzen und kommerzielle Verwertung keinen Gegensatz darstellen: Das Buch ist sowohl gedruckt zu kaufen als auch als PDF zum Download und komplett in HTML verfügbar und steht unter der CC-Lizenz BY-NC-ND 2.0 de.