Ungewollte Nebenwirkungen von NC erklärt

Die meisten Kenner des CC-Lizenzmodells bekommen einen leicht genervten Gesichtsausdruck, wenn man sie nach Pro und Contra der Lizenzbedingung „NC – nur nicht-kommerzielle Nutzung erlaubt“ fragt. Über nichts sonst wird schon so lange und so verbissen gestritten, unter CC-Aktivisten genauso wie unter Externen. Zugleich wird bei mehr als der Hälfte aller Einzellizenzierungen, bei denen CC-Lizenzen zum Einsatz kommen, solche mit NC gewählt. Der Grund ist unbestritten der legitime Wunsch nach Schutz davor, dass eigene freigegebene Werke vom Big Business ausgebeutet werden, ohne dass die Urheberin oder der Urheber daran beteiligt wird. Viele, die daher zu einer CC-Lizenz mit dem Modul „NC“ greifen, wissen allerdings nicht, welche Nebenwirkungen diese so populäre Einschränkung mit sich bringt – und sie wollen diese Nebenwirkungen meist auch nicht. Aufklärung ist daher dringend nötig, und so haben Wikimedia Deutschland, CC DE und iRights.info ihre Expertise und Erfahrungen zusammengebracht und gestern auf der re:publica 2012 eine handliche, leicht verständliche Broschüre dazu vorgestellt:

Cover NC-BroschüreFreies Wissen dank Creative-Commons-Lizenzen – Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung »nicht kommerziell – NC«

Dr. Paul Klimpel von iRights, Autor der Broschüre, stellt darin in Form ganz konkreter Fragen die gravierendsten Nebenwirkungen dar und klärt über zahlreiche Irrtümer auf. Natürlich liegt die Broschüre am Wikimedia-Stand aus, ist seit heute auch online abrufbar (PDF) und über Wikimedia auch zu bestellen. Die Texte darin sind freigegeben unter CC BY-SA 3.0 de.

20 Gedanken zu „Ungewollte Nebenwirkungen von NC erklärt“

  1. Ich habe eine Anmerkung zu dem Punkt mit der GEMA:
    16: „Wird er GEMA-Mitglied, darf er oder sie nicht mehr frei über die Lizenzierung seiner Werke entscheiden.“
    Das ist meiner Meinung nach so nicht korrekt. Mittlerweile kann man die Rechtsübertragung an die GEMA für die Onlinenutzung ausschließen. Siehe dazu §10 GEMA Berechtigungsvertrag.

  2. Ich finde es sehr schade dass in dieser Broschüre eine der meiner Meinung nach sinnvollsten CC Lizenzen so einseitig dargestellt wird. Gleichzeitig wird auf die Schwächen von SA sehr wenig eingegangen. Nicht jeder hat die Möglichkeit das bearbeite Werk einfach unter CC zu veröffentlichen. Meist scheitert es nicht am Wollen, sondern vielmehr am Dürfen. Da einmal veröffentlichte CC Werke nicht mehr zu stoppen sind, ist die Gefahr groß in rechtliche Schwierigkeiten zu geraten. Weniger im Bereich der Musik, in der man noch relativ viel selber machen kann, als vielmehr bei Videos an denen viele Menschen beteiligt sind, und im Falle von nicht szenischen Arbeiten ist es meist unmöglich von Allen eine schriftliche Einverständniserklärung zu bekommen. Zwar ist das Recht am eigenen Bild unabhängig von der CC Lizenz, nichtdestotrotz gibt es viele Fallstricke. Man bewegt sich beim Erstellen von Bildern häufig in einem Graubereich, in den meisten Fällen geht auch alles gut und wenn Nicht muss amn das Werk verändern oder aus dem Netzt nehmen. Mit CC ist dies systembedingt nicht mehr möglich und wird für den Ersteller zu einer Gefahr.

    Mein Wunsch für die 4. Generation der CC Lizenzen wäre eine Mischung aus SA und NC: Wenn es sich nach den bisherigen restriktiven Bedinungen um eine nicht-komerzielle Nutzung handelt darf es wie bisher in seine Kreationen eingebunden werden, ansonsten muss es unter derselben Lizenz veröffentlicht werden.

  3. Es wäre doch im Sinne und Interesser aller, einfach die NC-Klausel so zu überarbeiten, dass als gemeinnützig anerkannte Organisationen es auf jeden Fall nutzen dürfen.

    Es sollte doch machbar sein zugleich Firmen daran zu hindern Werke zu Ihrer Bereicherung, ohne Beteilung des Urhebers, zu nutzen und trotzdem den Zugang für Schulen, Unis, Museen ud private Blogs offen zu halten!

  4. zitat:“jeder ist ein Künstler“ Joseph Boys

    Künstler ist eine Erscheinung im Kapitalismuß dieser braucht einen Gewissen Ausgleich um die Verwerfungen die dieser verursacht etwas auszugleichen (Brot und Spiele).
    Die meisten künstler wollen nur eines nähmlich Geld Verdienen wie alle anderen auch, dabei benötigen künstler/in das verknappungssystem um möglichst viel Herauszuschlagen ohne rücksichten oder hinterfragungen was hier eigentlich geschieht. Alles ist Käuflich besonders die Kunst.Außerdem ist es ein bequemer weg sich von der gesellschaft abzuheben ohne auf das geld zu Verzichten.
    Die Frage ist wieviel Kunst Brauchen wir und warum soll diese wenn es früher oder später sowieso ein BGE(Bedingungsloses Grundauskommen)geben soll besonders Geschützt werden?
    Da ja die meisten künstler sehr arm sind und der gesellschaft mit Ihrem leistungswahn etwas aus dem Weg gehen möchten bzw. sich in die Kunst Flüchten eine Niesche die sowieso immer Enger wird.
    zufriedenheit für alle mit BGE und dann kunst zusätzlich Ehrlich ist OK. Aber unter diesem marktradikalismus dem wir ausgesetzt sind ist doch alles was Kunst oder Theater usw. nur Flucht vor der Wirklichkeit zudem muß auch dieses Brot und Spiele system jemand Finanzieren.

  5. Interessant das jetzt zu lesen. Ich habe auf meinem Blog vor kurzem auch einen Artikel über die CC-Lizenzen im Zusammenhang mit möglichen GEMA-Alternativen geschrieben.

    Dabei gehe ich auch darauf ein, dass im Bereich der Musik oft NC Lizenzen verwendet werden, die für Veranstalter sehr ungünstig sind. Der NC-Charakter wird beim Betonen der Vorteile von CC-Lizenzen oft vergessen.

    Ist meiner Ansicht nach aber trotzdem eine der besten Lizenzformen (für Musik).

  6. sehr sehr guter text. ich bin kurz davor mein debütalbum zu veröffentlichen und dieser text hatt mir wirklich weitergeholfen. vielen dank dafür. das einzige manko was mir aufgefallen ist ist das übertrieben oft die gleichen dinge im zusammenhang mit nc erwähnt wurden. aber naja vielleicht kenne ich mich auch mit dem recht des bildungswesen zu wenig aus und habe sie daher als brei überlesen. ich werde auf jeden fall die CC-BY-SA nehmen. die macht scheinbar genau das wqas ich will.

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