Creative Commons Lizenzen in Deutschland gerichtlich durchgesetzt

Das Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software berichtet: Creative Commons Lizenzen in Deutschland gerichtlich durchgesetzt.

Das Landgericht Berlin hat in einem Beschluss vom 8. Oktober 2010 (Az. 16 O 458/10) die Nutzung eines CC-lizenzierten Fotos wegen eines Lizenzverstoßes verboten. Dies stellt – soweit bekannt – die erste erfolgreiche Durchsetzung einer Creative Commons Lizenz in Deutschland dar.

Die Urheberin eines Fotos des Politikers Thilo Sarrazin erwirkte den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen eine rechtsextreme Partei, die das Foto in ihrem Blog ohne entsprechend den Lizenzbedingungen der Creative Commons-Lizenz „Attribution – ShareAlike 3.0 Unported“ den Lizenztext oder eine Internetadresse dafür anzugeben und die Urheberin zu benennen. Die Nutzung des Verletzers stellt nach Auffassung des Gerichts eine „nicht von einer Genehmigung der Antragstellerin gedeckte und damit im Sinne des § 97 Abs. 1 UrhG widerrechtliche Verwendung“ dar.

Das ist sehr erfreulich, weil es zeigt, dass die Creative Commons LIzenzen in Deutschland gerichtsfest sind. Davon gingen wir bisher immer aus, es fehlte aber der Realitätstest vor Gericht.

Creative Commons – Motivationsfilm

Wikimedia Deutschland hat im vergangenen Jahr erstmalig den Ideen-Wettbewerb „WissensWert“ 2010 zur Förderung Freien Wissens durchgeführt. Aus den 93 Einreichungen hat eine Jury sieben Projekte ausgewählt und gefördert. Darunter war ein Motivationsfilm für Creative Commons. Dieser ist nun online und steht unter der CC-BY-Lizenz.

Zu den Mitwirkenden gehören:

Projektleitung Amadeus Wittwer www.2hofnarr.ch
Regie&Cut&Animation Adrian Scherzinger www.edprojects.ch
Illustration Regina Wittwer www.regains.ch
Ton&Sounds Alain Stoll www.jectified.com
Sprecherin Sarah Judith Bürge
Sprecher Philipp Bürkler
Textkorrekturen Claude Fankhauser, Dirk Dienel
Übersetzung Barbara Müller www.fepafrika.ch
Finanzierung Verein Wikimedia Deutschland www.wikimedia.de

Neue Auswertung findet mehr als 400 Mio Creative Commons lizenzierte Werke

In dem hier bereits empfohlenen Buch „The Power of Open“ wurden einige Statistiken zur CC-Nutzung aufgestellt. Über 400 Millionen nutzen die vor 8 Jahren vorgestellten Lizenzen.

Mit der Zeit hat dabei erfreulicherweise der prozentuale Anteil freier Lizenzen (CC-BY & -SA) zugenommen: Sie machen jetzt 40% aus.

Die verwendeten Daten kann man sich hier herunterladen und selbst weiter analysieren. Auf creativecommons.org wird sich auch mit anderen Fragen auseinandergesetzt, so zum Beispiel mit der sozioökonomischen Wirkung.

Buch über Creative Commons: „The power of open“

The Power of open ist ein Buch über Erfolgsgeschichten mit Creative-Commons-Lizenzen.

The Power of Open collects the stories of those creators. Some are like ProPublica, a Pulitzer Prize-winning investigative news organization that uses CC while partnering with the world’s largest media companies. Others like nomadic filmmaker Vincent Moon use CC licensing as an essential element of a lifestyle of openness in pursuit of creativity. The breadth of uses is as great as the creativity of the individuals and organizations choosing to open their content, art and ideas to the rest of the world.

Es steht selbstverständlich unter der CC-BY-Lizenz und ist als Download erhältlich – sogar in mehreren Sprachen, Deutsch kommt aber erst noch.

Auch die gedruckte Version ist mit etwas über 10€ bei Lulu nicht besonders teuer.

Einführungsvortrag: Lizenzen für das Internet-Zeitalter

Die Journalistin Meike Richter, die sich seit langem mit Creative Commons beschäftigt, hat vor kurzem an der Universität Hamburg einen Einführungsvortrag über „Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter“ gehalten. Davon gibt es ein Video:

Meike Richter: Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter from netzpolitik on Vimeo.

(Auf der Seite kann man sich das auch herunterladen)

„Creative Commons“ sind Lizenzen, die speziell für die Veröffentlichung von Informationen im Internet entwickelt wurden. Urheber von Medien, wie Videos, Musik oder Texten können damit leicht bestimmen, was bei der Weitergabe bzw. Wiederveröffentlichung ihrer Werke beachtet werden muss, zum Beispiel die Namensnennung oder der Ausschluss einer kommerziellen Nutzung. Für Publizierende wird damit mehr Klarheit geschaffen. Die Frage ob und wie ich beispielsweise ein Bild eines anderen Urhebers auf einer beliebigen Webseite veröffentlichen darf, wird mit „Creative Commons“ beantwortet.

Meike Richter ist freie Journalistin und Dozentin und berät unter anderem den NDR bei der Lizensierung verschiedener Inhalte mit „Creative Commons“.

Der Elektrische Reporter läuft wieder beim ZDF

Diese Woche startet eine neue Staffel des „Elektrischer Reporter“ im ZDFinfokanal. Das Magazin für Netzkultur wurde vor Jahren von Mario Sixtus gestartet und lief bereits zwischen 2008 – 2010 im 14-Tage-Rhythmus im Infokanal, der ZDF-Mediathek und im eigenen Blog. Neu bei dieser Staffel ist die Sendezeit-Ausdehnung auf 15 Minuten und die wöchentliche Ausstrahlung einer neuen Folge. Erfreulich ist, dass der Elektrische Reporter weiterhin alle Folgen unter der CC-BY-NC-SA-Lizenz veröffentlicht und über die Jahre Creative Commons – Lizenzen beim ZDF etwas populärer gemacht hat.

Hier sind weitere Neuerungen aus der Pressemitteilung:

Statt sich monothematisch mit jeweils einem Aspekt der digitalen Revolution zu beschäftigen, wird der „Elektrische Reporter“ künftig aus drei Teilen bestehen. Zu Anfang greift ein aktueller Bericht netzpolitische und -kulturelle Fragen auf: Wie sinnvoll ist eigentlich die Internet-Enquete-Kommission des Bundestages? Inwiefern verhalten Männer und Frauen sich unterschiedlich im Netz? Anschließend wagt die Rubrik „Uebermorgen.TV“ einen Blick in die digitale Glaskugel. In animierten Sequenzen, unterbrochen durch fiktive O-Töne, schreiben die Filme einen aktuellen Trend in die Zukunft weiter: Wie sähe ein Netz aus, in dem es keine Anonymität mehr gibt und die Identifikation Pflicht ist? Den Abschluss der Sendung bildet die Rubrik „140 Sekunden“, die der Geschichte hinter einem einzelnen Tweet auf den Grund geht.

CC Public Domain Mark freigegeben

Nach Abschluss der offenen Diskussionsphase hat Creative Commons gestern für gemeinfreie Werke ein neues Kennzeichen, die „Public Domain Mark” (PDM), verfügbar gemacht. Die PDM soll als einheitliches Kennzeichen für Werke dienen, die keinen urheberrechtlichen Schutzfristen mehr unterliegen, und zielt vor allem auf digitale Sammlungen und Archive ab, die bislang eine Vielzahl unterschiedlicher Kennzeichnungen für gemeinfreie Werke einsetzen. Letztlich soll die PDM hier mehr Klarheit und einen einheitlichen Metadaten-Standard schaffen sowie die Auffindbarkeit von gemeinfreien Inhalten erleichtern.

Als erstes größeres Projekt wird die digitale Bibliothek Europeana die  Public Domain Mark ab Mitte nächsten Jahres verwenden, grundsätzlich ist diese Kennzeichnung aber nicht auf Institutionen beschränkt, sondern kann auch von Einzelpersonen verwendet werden. Im Unterschied zu den bereits bekannten Creative-Commons-Modellen handelt es sich beim Public Domain Mark nicht um eine Lizenz, vielmehr soll nur auf einen bereits bestehenden rechtlichen Status hingewiesen werden. Wer als Urheber trotz bestehender Schutzansprüche auf diese verzichten will, kann für eigene Werke weiterhin das Werkzeug CC0 (CC-Zero) verwenden.

Comic erklärt Creative Commons

Ein schönes Comic über Creative Commons hat der brasilianische Künstler @nerdson erstellt. Er stellte es in portugiesischer Sprache online, aber unter der Creative Commons – Namensnennungs-Lizenz und die Rohdateien in freien Formate dazu. Jemand nahm das Comic und übersetzte es ohne Rücksprache in die englische Sprache. So landete es bei uns und wir fanden, dass eine deutschsprachige Version her muss. In weniger als einer Stunde war diese fertig und sie steht jetzt wie das Original unter der CC-BY Lizenz und kann gerne weiterkopiert und weiterentwickelt werden.
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a2n 2010: CC und die GEMA – oder vielleicht eine CC-GEMA? [Update]

Bei der zweiten Auflage der all2gethernow in Berlin vom 6. bis 11. September (diesmal als Teil der Berlin Music Week) wird es noch interessanter als letztes Jahr, gerade aus Sicht von Creative Commons und allen, die mit CC-Lizenzen zu tun haben. Gleich vier Slots der a2n beschäftigen sich nämlich mit CC bzw. CC-lizenzierter Musik allgemein und teilweise konkreter damit, ob bzw. wie damit Geld verdient werden kann/darf/soll. „a2n 2010: CC und die GEMA – oder vielleicht eine CC-GEMA? [Update]“ weiterlesen

Freie Lizenzen als Inflationstreiber?

Meistens wird in Diskussionen um frei verfügbare Inhalte nur die einzelne Beziehung zwischen Urheber und Nutzer behandelt. Dabei fällt allerdings unter den Tisch, dass natürlich auch in größerem Maßstab Entwicklungen stattfinden. Eine der Thesen dazu ist, dass ein starkes Anwachsen freier Inhalte zum einen jedes einzelne dieser Werke relativ entwerte bzw. austauschbarer mache, und dass solche Prozesse (ungewollt) vor allem zulasten derjenigen Künstler gingen, die darauf angewiesen oder einfach daran interessiert seien, mit ihren Werken Geld zu verdienen. Diese eher makroökonomische Betrachtungsweise hat durchaus ihre Berechtigung und Breitband hat dazu in der vorletzten Sendung einen Beitrag gebracht. Er zeigt, dass es durchaus Kreative gibt, die CC als Ansatz ausprobieren, dann aber auch wieder davon abkommen.

Fragt sich also: Sind freie Lizenzen (und damit auch CC) ein Inflationstreiber der Aufmerksamkeitsökonomie und senken letztlich die Wertschätzung für Musik?