Paper zu CC-NC-Lizenzen und Verwertungsgesellschaften

Da die EU-Mitgliedsstaaten bis April 2016 Zeit haben, die neue EU-Richtlinie zur kollektiven Rechtewahrnehmung umzusetzen, haben sich Prof. Axel Metzger und Tobias Heinemann in einer gerade erschienenen Analyse den Status Quo und die denkbaren Optionen für die Zukunft angesehen. Es geht dabei vor allem um die Vorgabe der Richtlinie, nach der Urheberinnen und Urheber zukünftig trotz Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft (VG) nicht-kommerzielle Freigaben selbst vornehmen können sollen. Hier fragt sich, ob, wie und durch wen CC-Lizenzen mit der Einschränkung „NC“ eingesetzt werden können, um nicht-kommerzielle Nutzungen zu erlauben. „Paper zu CC-NC-Lizenzen und Verwertungsgesellschaften“ weiterlesen

C3S-Crowdfunding endet morgen

Die C3S-Initiative ist vergangene Woche am Rande des Reeperbahnfestivals in Hamburg zu einer tatsächlich gegründeten Gesellschaft geworden. Ihr voller Name lautet Europäische Genossenschaft “Cultural Commons Collecting Society SCE mbH”, eine Party zur Feier der Gründung ist für Oktober/November geplant. Derweil endet das bisher schon recht erfolgreiche Crowdfunding für die C3S morgen, am 30. September. Die Kampagne hat das Mindestziel von 50.000 EUR bereits deutlich überschritten, peilt aber insgesamt 200.000 EUR an, da das Land NRW wahrscheinich über ein spezielles Förderprogramm bis zu dieser Summe um den am Ende gesammelten Betrag aufstocken wird. Jeder crowdgefundete Euro zählt also gewissermaßen doppelt. Derzeit liegt die Kampagne bei knapp 110.000 EUR, da ist noch deutlich Luft nach oben. Daher ruft das Team alle Interessierten auf, sich auf den letzten Metern noch zu beteiligen.

Die C3S als Brücke zwischen GEMA und Musikpiraten? C3S-Barcamp am 2.9. in Berlin

Logo C3SDie Scharmützel gehen weiter, der Musikpiraten e.V. hat dieses Mal gegen die GEMA den Kürzeren gezogen: In einem Gerichtsprozess stritten sich die Verwertungsgesellschaft und die Aktivisten unter anderem um die „heilige Kuh“ der kollektiven Musikrechteverwertung, nämlich um die GEMA-Vermutung.

Von eher praktischem Interesse ist an dem Streit, der möglicherweise in die nächste Instanz gehen wird, dass es auch um die doch sehr behördenartigen und teils anachronistisch wirkenden Meldemodalitäten der GEMA-Bürokratie ging. Um eine Aufführung oder CD-Pressung ganz genau zuordnen zu können, müssen sehr viele Daten bei der GEMA angegeben werden, die gar nicht bei jedem Veranstalter oder Produzenten vorhanden sind oder mit vertretbarem Aufwand beschafft werden können. Solche Details behindern viele völlig legale Musikstrukturen außerhalb des GEMA-Systems.

Außer diesen eher unangenehmen Auseinandersetzungen wird aber auch konstruktiv gearbeitet, nämlich am Aufbau der „Cultural Commons Collecting Society“ (C3S). Kommendes Wochenende gibt es das erste BarCamp der Initiative, finanziert durch crowd funding. Dort sollen von den großen Stellschrauben bis zum kleinsten Webformular alle Aspekte der geplanten neuen Verwertungsgesellschaft C3S durchdiskutiert werden sollen – öffentliches Ideensammeln statt Kungeln im Hinterzimmer.

Letztlich wäre ein erfolgreicher Start der C3S sowohl für Künstler mit Sinn für freie Lizenzen als auch für die Anhänger der GEMA-Idee hilfreich. Etwas Entgegenkommen der GEMA vorausgesetzt (gemeinsame Bewirtschaftung der Titel unter GEMA-Vermutung), könnte die C3S als eine Art Brücke zwischen den mittlerweile durch tiefe Gräben getrennten Gruppen von Kreativen wirken. Damit es so kommt, ist noch viel Überzeugungsarbeit auf beiden Seiten zu leisten und ohne Unterstüztung durch die Kreativen wird weder die GEMA sich wandeln noch die C3S wirklich durchstarten können.

GEMA gibt neue Stellungnahme zu CC-Lizenzen ab

Im Nachgang zum Start des neuesten Pilotprojekts zum Einsatz von CC-Lizenzen durch Mitglieder von Musik-Verwertungsgesellschaften hat die Redaktion von telemedicus.info die GEMA um eine Stellungnahme gebeten. Darin erfährt man einiges über angeblich eherne Vertragswerke, unwillige Mitglieder und Rosinen. Die Analysen von telemedicus und iRights untersuchen den GEMA-Text eingehend.

SGAE setzt EXGAE juristisches Ultimatum

Das spanische Pendant zur GEMA, die „Sociedad General de Autores y Editores“ (kurz SGAE) hat ihre Anwaltskanzlei Lehmann & Cabaleiro ein Schreiben an die Initiative EXGAE schicken lassen, in dem die EXGAE offenbar aufgefordert wird, sich binnen 7 Tagen aufzulösen. Anderenfalls werde man ohne weitere Vorwarnung wettbewerbsrechtlich und wegen Verletzung der Markenrechte der SGAE gegen die EXGAE vorgehen und auf Schadensersatz klagen.

Leider ist noch keine englische Übersetzung des Schreibens erstellt. Falls also jemand des Rechts-Spanischen so mächtig ist, es zu übersetzen, dann wäre das hilfreich.

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Untersuchung des Pilotprogramms in NL

In Vorgriff auf die Diskussionen zu Creative Commons und Verwertungsgesellschaften, die es auf der a2n geben wird (siehe vorigen Post), ist hier für alle interessierten eine Leseempfehlung:

Mitte 2007 haben die niederländische Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra und Creative Commons NL in einer bis dahin einmaligen Kooperation ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Mitglieder der Buma (zeitlich begrenzt) ihre Musik auch selbst unter CC-Non-Commercial-Lizenzen im Netz freigeben können. Kern des Projekts ist eine gemeinsame Definition, was „nicht kommerziell“ genau heißen soll, also von wem und wofür demnach die freigegebenen Musiktitel verwendet werden dürfen. Es wurde viel um diese Kooperation gestritten, Kritiker wie Unterstützer haben sich argumentativ daran abgearbeitet, und das Projekt wurde mehrfach und gerade erst neulich wieder verlängert. Nun liegt endlich das handfeste Ergebnis einer Untersuchung der Wirkungsweise des Pilotprogramms vor. Der angenehm kompakte und sehr informative Report dazu wurde von Paul Keller (CC NL) und Matthijs Bobeldijk (Buma/Stemra) erarbeitet und liegt auch auf Englisch als PDF vor.

GEMA vor der Selbstauflösung?

Beim Camp der all2gethernow in Berlin im September diesen Jahres war schon bei der allerersten Diskussionsrunde „Verwertungsgesellschaften und alternative Lizenzen“ eine gänzlich ungewohnte GEMA zu erleben gewesen. Deren Justiziar Kilian Steiner hatte nämlich – wenn auch auf tadellosem Englisch – zu verstehen gegeben, dass die GEMA-Offiziellen bereit sind, das gesamte System der altehrwürdigen Gesellschaft auf den Prüfstand zu stellen. Vor dem Hintergrund alternativer Verbreitungs- und Verwertungsmodelle im Netz solle es keine Denkverbote geben, was die Arbeitsweise der GEMA angehe, so Steiner. Das lässt auf einen vernünftigeren Umgang hoffen.

Es gab allerdings am nächsten Tag eine weitere Veranstaltung mit GEMA-Beteiligung, und zwar ein klassisches Panel im Rahmen der Cloud der all2gethernow: Der VUT hatte zusammen mit media.net berlin brandenburg in den Meistersaal am Potsdamer Platz geladen und war auf dem Panel auch mit seinem Vorsitzenden und Freibank-Chef Mark Chung vertreten. Unter juristisch geschulter Moderation hieß das Thema „Musik im Internet – Nadelöhr Rechteerwerb“. Alle Diskutanden schienen dabei mehr oder weniger frei von zurechtgelegten Aussagen drauflos zu sprechen, aber vor allem Alexander Wolf (bei der GEMA u.a. Syndikus für internationale Rechtsfragen) hatte überraschende Antworten parat.  „GEMA vor der Selbstauflösung?“ weiterlesen

Musiker proben den Aufstand: Wie sieht eine Alternative zur GEMA aus?

Die Sendung „Breitband“ auf Deutschlandradio Kultur hat am vergangenen Samstag über die GEMA-Problematik bei der Nutzung von Creative Commons Lizenzen berichtet. Wir bemühen uns seit langem um einen Dialog mit der GEMA und eine Klärung, wie Künstler die Nutzung von Creative Commons Lizenzen mit einer GEMA-Mitgliedschaft vereinbaren können. „Musiker proben den Aufstand: Wie sieht eine Alternative zur GEMA aus?“ weiterlesen

Freie Tracks und Milchreis

Logo breiPott

Seit 14. Juni 2008 ist es endlich soweit: Es gibt eine echte Brücke zwischen dem virtuellen Pool frei lizenzierter Musik und dem echten wilden Leben. Sie heißt breiPott und kommt als ganz spezielle Bar in Berlin Kreuzberg daher. Speziell und außerdem zum Namen passend ist nicht nur das kulinarische Konzept (alles auf Basis von Rundkornreis – egal ob süß oder pikant), sondern auch das Konzept für die musikalische Untermalung. Wann immer Musik ertönt im breiPott, stammt sie entweder vom hauseigenen Server voller GEMA-freier und meist CC-lizenzierter Musik oder es steht ein DJ am Pult, der freie Musik im Live-Mix bietet. Letzteres ist dreimal pro Woche der Fall und der Mix-Rohstoff besteht dabei zumindest zu etwa 90 % aus freier Musik. Dass die Musik auf dem breiPott-Server tatsächlich nicht zum GEMA-Repertoire gehört, wird übrigens vorher eingehend geprüft. und das Allerbeste ist, dass man die Tracks auch direkt vor Ort an drei Terminals durchhören und direkt per USB abrufen und mitnehmen kann. Da kann man nur sagen: Mehr davon …