CC Global Summit 2013: Lessig wird politischer und lobt Right2Remix.org

Beim alle zwei Jahre stattfindenden Treffen der Mitarbeiter, Aktivisten und Unterstützer von Creative Commons, dem „CC Global Summit“ (diesmal in Buenos Aires von CC Argentina organisiert) war eines der Hauptthemen:

Das Verhältnis von CC als Netzwerk und Organisation gegenüber Urheberrechtsreformen allgemein und speziell gegenüber den auf EU-Ebene um sich greifenden Ideen, mit Jedermannlizenzen wie denen von CC seien alle Probleme lösbar und würden sich Reformen der Urheberrechtsgesetze letztlich erübrigen. In diese Richtung ziele, so jedenfalls der Vorwurf vieler Aktivisten seit letztem Jahr, auch die Initiative „Licences for Europe“ (L4E) der EU-Kommission.

Lawrence Lessig verweist in seiner Keynote auf Right2Remix.orgAuch Lawrence Lessig hat sich als Vorstandsmitglied von CC Inc. in diese Diskussion eingemischt und seine traditionelle Keynote fiel denn auch deutlich anders aus, als man es in den letzten Jahren von ihm gewohnt war. Besonders erwähnenswert fand Lessig darin die Initiative „Recht auf Remix“ bzw. „Right to Remix“ der Digitalen Gesellschaft. Da auch ein Video eines seiner Vorträge ins Visier einer Plattenfirma geraten ist, weil darin Beispiel-Remixes gezeigt werden, durch die das Content-ID-System von YouTube angeschlagen hat, hat Lessig gemeinsam mit der EFF sogar eine eigene Klage wegen missbräuchlichen Einsatzes des Urheberrechts angestrengt. Für die, die mehr erfahren wollen, haben wir inzwischen das Video der Keynote (zu Right2Remix siehe ab Min. 20:15 und 25:30, zur Klage ab Min. 26:25), eine Einschätzung von Markus bei netzpolitik und ein Interview mit Lessig bei iRights.info zu bieten.

Zum Hintergrund: Dass Markus als Public Lead von CC DE und ich in meiner seit Mai 2013 neuen Rolle als einer von zwei CC-Europakoordinatoren am Summit teilnehmen konnten, wird durch eine Reiseförderung ermöglicht, die aus den Spenden von CC stammt. Markus ist ansonsten weiter vollständig ehrenamtlich aktiv, so wie ich als Legal Lead von CC DE auch. Meine Koordinatorentätigkeit dagegen ist honorarbasiert mit im Schnitt 20 Wochenstunden. Markus und ich sind zudem beide Gründungsmitglieder des Digitale Gesellschaft e.V.

iRights.info und HBS: Copy.Right.Now!

cover_copyrightnowGestern ist in der Reihe Schriften zu Bildung und Kultur“ der Heinrich-Böll-Stiftung unter dem Titel „Copy.Right.Now!“ eine Sammlung von Plädoyers für ein grundlegendes Umdenken im Urheberrecht erschienen. Es handelt sich dabei um das Ergebnis einer Kooperation der Stiftung mit dem Projekt iRights.info und die insgesamt 18 Beiträge und Interviews des Buches beziehen mit Lawrence Lessig, Jeanette Hofmann, Jonathan Lethem und Cory Doctorow auch Sichtweisen von jenseits des Atlantiks mit ein.

Aus der Mitteilung bei iRights.info:

Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. Während es ursprünglich als ein auf den „genialen” Schöpfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Missbrauch konzipiert war, verstoßen wir, ob gewollt oder unbeabsichtigt, täglich gegen bestehendes Recht. Verlustfreies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Freiheit, den anderen als Einschränkung von künstlerischer Verfügungsgewalt und drohender Einnahmenverlust. Ein Ende der „Copyright Wars“ erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.

Das Buch ist zunächst als PDF und ab 15. April dann auch gedruckt kostenlos bei der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich. Bestelldaten:

Schriften zu Bildung und Kultur, Band 4:
Copy.Right.Now!
Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
In Zusammenarbeit mit iRights.info
Berlin, April 2010, 140 Seiten
ISBN 978-3-86928-031-8

Bestelladresse:
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Tel. 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de

Hört hört: Das Public-Domain-Manifest ist da

Aus der Arbeit des EU-Netzwerks COMMUNIA ist gerade das Public Domain Manifesto hervorgegangen. Es ist seit dieser Woche online und will die Wichtigkeit und Verletzlichkeit der wachsenden kulturellen Allmende unterstreichen und den Verantwortlichen vor allem in der Politik aufzeigen, was zum Schutz dieser Gemeingüter zu tun ist. Zu den aus den verschiedensten Ländern stammenden Erstunterzeichnern zählen Lawrence Lessig, Bernt Hugenholtz, Ronaldo Lemos und James Boyle. Binnen weniger Tage sind bereits Übersetzungen in mehr als ein Dutzend Sprachen angefertigt worden, auch eine ins Deutsche von Christian Hufgard und Klaas Schmidt.

Lawrence Lessig zu Gast bei der Böll-Stiftung

Am 15. Mai um 19 Uhr wird CC-Mitbegründer Lawrence Lessig auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung in die Sophiensæle, Berlin Mitte kommen und bei einer Spezialausgabe der Reihe „Spielstand“ über die laufenden „Copyright Wars“ sprechen. Gemeint sind die Auseinandersetzungen um Googles Bücherscans, die Pirate Bay und ähnliche Konflikte, die derzeit Wellen schlagen. Moderiert wird das Gespräch von Matthias Spielkamp und der Eintritt ist frei. Allerdings sollte man sich frühzeitig anmelden.

Lawrence Lessig tritt beiseite


Foto von Karen Rustad unter CC-BY 2.0

In seinem Hauptvortrag zum iSummit 2007 in Dubrovnik hat CC-Gründer Lawrence Lessig eine Schwerpunktverlagerung seiner Arbeit angekündigt. Er werde zwar weiter für Creative Commons arbeiten, allerdings nicht mehr als Sprecher der Organisation. Nach über zehn Jahren in der ersten Reihe der Free-Culture-Bewegung sei es für ihn an der Zeit, im eigenen Leben etwas zu verändern. Als neuen Schwerpunkt nannte Lessig sein früheres Spezialgebiet Verfassungsrecht, nun mit besonderem Augenmerk auf Korruptionsphänomene in der US-amerikanishen Politik. Diese Ankündigung verband Lessig mit dem Aufruf an die CC-Community, zukünftig noch stärker Respekt sowohl für die eigene Sache als auch für die Mitglieder der Sharing Economy einzufordern.

Code 2.0 unter CC-Lizenz erschienen

Code 2.0Lange mussten Interessierte warten, doch jetzt hat CC-Gründer Lawrence Lessig eine Neuauflage seines einflussreichen Buches „Code and other Laws of Cyberspace“ von 1999 veröffentlicht, diesmal natürlich unter einer CC-Lizenz. In den sieben Jahren seither hat sich vieles im Cyberspace verändert. Manche von Prof. Lessigs Prognosen sind nicht eingetreten, viele schon, einiges wird sich erst noch zeigen. „Code 2.0“ schreibt daher die Aussagen der ersten Auflage aus heutiger Sicht fort und enthält Verweise auf viele inzwischen erschienene Arbeiten von anderen.

Als gutes Beispiel für die „Read-Write-Economy“ ist das Buch einerseits teilweise in Kooperation über ein Wiki entstanden, andererseits ist es durch die CC-BY-SA-Lizenz mit der Freiheit ausgestattet, heruntergeladen, elektronisch weitergegeben und von jedermann bearbeitet zu werden (vorausgesetzt der Name des ursprünglichen Autors wird genannt – BY – und alle Bearbeitungen werden unter denselben Bedingungen weiterverbreitet – SA). Aber auch gekauft werden kann es, was in vielen Fällen auch günstiger sein dürfte als die 424 Seiten selber zuhause auszudrucken.