SGAE setzt EXGAE juristisches Ultimatum

Das spanische Pendant zur GEMA, die „Sociedad General de Autores y Editores“ (kurz SGAE) hat ihre Anwaltskanzlei Lehmann & Cabaleiro ein Schreiben an die Initiative EXGAE schicken lassen, in dem die EXGAE offenbar aufgefordert wird, sich binnen 7 Tagen aufzulösen. Anderenfalls werde man ohne weitere Vorwarnung wettbewerbsrechtlich und wegen Verletzung der Markenrechte der SGAE gegen die EXGAE vorgehen und auf Schadensersatz klagen.

Leider ist noch keine englische Übersetzung des Schreibens erstellt. Falls also jemand des Rechts-Spanischen so mächtig ist, es zu übersetzen, dann wäre das hilfreich.

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iRights.info und HBS: Copy.Right.Now!

cover_copyrightnowGestern ist in der Reihe Schriften zu Bildung und Kultur“ der Heinrich-Böll-Stiftung unter dem Titel „Copy.Right.Now!“ eine Sammlung von Plädoyers für ein grundlegendes Umdenken im Urheberrecht erschienen. Es handelt sich dabei um das Ergebnis einer Kooperation der Stiftung mit dem Projekt iRights.info und die insgesamt 18 Beiträge und Interviews des Buches beziehen mit Lawrence Lessig, Jeanette Hofmann, Jonathan Lethem und Cory Doctorow auch Sichtweisen von jenseits des Atlantiks mit ein.

Aus der Mitteilung bei iRights.info:

Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. Während es ursprünglich als ein auf den „genialen” Schöpfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Missbrauch konzipiert war, verstoßen wir, ob gewollt oder unbeabsichtigt, täglich gegen bestehendes Recht. Verlustfreies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Freiheit, den anderen als Einschränkung von künstlerischer Verfügungsgewalt und drohender Einnahmenverlust. Ein Ende der „Copyright Wars“ erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.

Das Buch ist zunächst als PDF und ab 15. April dann auch gedruckt kostenlos bei der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich. Bestelldaten:

Schriften zu Bildung und Kultur, Band 4:
Copy.Right.Now!
Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
In Zusammenarbeit mit iRights.info
Berlin, April 2010, 140 Seiten
ISBN 978-3-86928-031-8

Bestelladresse:
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Tel. 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de

DDC Deutsch unter CC freigegeben

Ganz im Sinne von Open Science wird seit kurzem eine der wichtigsten Ressourcen des Bibliothekswesens mittels CC-Lizenz ein Stück weit befreit:

Die „Dewey-Dezimalklassifikation“ (DDC) dient seit dem 19. Jahrhundert, vor allem im englischsprachigen Raum, zur inhaltlichen Erschließung von Texten und gibt in amerikanischen Bibliotheken auch häufig die Regalsortierung vor. Die deutsche Übersetzung der DDC wird über die Verwendung durch die Deutsche Nationalbibliothek immer mehr zum Standard auch für die hiesige Bibliothekslandschaft. Sie ist nun allgemein unter CC-BY-NC-ND 3.0 unported verfügbar. Das zielt darauf ab, mehr Institutionen direkten Zugriff auf alle Ebenen der DDC zu gewähren. In der Pressemitteilung der DNB heißt es dazu:

Die deutsche Fassung der DDC in MelvilSearch kann ab sofort für nicht-kommerzielle Zwecke frei genutzt und weitergegeben werden unter der Voraussetzung, dass OCLC als Rechteinhaber genannt und die Daten nicht inhaltlich bearbeitet oder verändert werden. Damit wird es zum Beispiel erstmals möglich, uneingeschränkt Notationen und Klassenbenennungen gemeinsam – auch in eigenen (Web-)Anwendungen – anzuzeigen.

Bisher war dies lediglich für die ersten drei Ebenen der DDC möglich. Das bedeutete, dass ohne Lizenz nur die obersten 1000 Klassen vollständig nutzbar waren. Je genauer aber klassifiziert werden soll, desto mehr Unterklassen werden gebraucht (was dann letztlich lange Zahlenreihen ergibt, die durch Punkte unterbrochen sind und daher ein wenig an IP-Adressen erinnern).

Dr. Heidrun Alex von der DNB teilte uns dazu weiter mit:

Ab der 4. Ebene war es nur möglich, entweder die Notation oder die Klassenbenennung anzuzeigen. Diese Einschränkung galt generell, also unabhängig davon, ob die Institution, die die DDC nutzt, kommerziell oder nicht kommerziell ist. Sie gilt auch weiterhin für die englische Ausgabe und für alle Übersetzungen, außer für die deutsche. Mit dem neuen Lizenzvertrag für die DDC Deutsch wird diese Einschränkung erstmals aufgehoben (und auf längere Sicht sind weitere Schritte zu erwarten!). Bei den nicht-kommerziellen Nutzern ist vorrangig an Kultur-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen gedacht. Als Beispiel sind die ViFas im Rahmen von vascoda zu nennen.

Weitere Informationen zu Klassifikationen gibt es natürlich auch in der Wikipedia.

Hört hört: Das Public-Domain-Manifest ist da

Aus der Arbeit des EU-Netzwerks COMMUNIA ist gerade das Public Domain Manifesto hervorgegangen. Es ist seit dieser Woche online und will die Wichtigkeit und Verletzlichkeit der wachsenden kulturellen Allmende unterstreichen und den Verantwortlichen vor allem in der Politik aufzeigen, was zum Schutz dieser Gemeingüter zu tun ist. Zu den aus den verschiedensten Ländern stammenden Erstunterzeichnern zählen Lawrence Lessig, Bernt Hugenholtz, Ronaldo Lemos und James Boyle. Binnen weniger Tage sind bereits Übersetzungen in mehr als ein Dutzend Sprachen angefertigt worden, auch eine ins Deutsche von Christian Hufgard und Klaas Schmidt.

WIPO-Artikel zur Umlizenzierung der Wikipedia

In der Novemberausgabe des zweimonatlich erscheinenden Magazins der WIPO ist ein Artikel von Herkko Hietanen erschienen, Legal Project Lead von CC in Finnland. Er setzt sich mit den Umständen der Um- bzw. Nachlizenzierung der Wikipedia-Inhalte auseinander und vor allem auch mit dem Problem der noch immer nicht erreichten Kompatibilität von Open-Access-Lizenzen untereinander.

SZ-Artikel: „Wissen kann kein Eigentum sein“

In der Süddeutschen hat Prof. Rainer Kuhlen, Informationswissenschaftler von der Uni-Konstanz, am 25. August unter dem Titel „Wissen kann kein Eigentum sein – Warum gibt es noch eine exklusive kommerzielle Verwertung von wissenschaftlichen Werken, die mit öffentlichen Mitteln hergestellt wurden?“ einen streitbaren Artikel zur Problematik des häufig monopolisierten Zugangs zu wissenschaftlichen Werken veröffentlicht [ODT] [PDF]. Als Mitinitiator des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ hat er bereits langwierige Lobby-Schlachten rund um die so genannten Körbe 1 und 2 zum Urheberrechtsgesetz durchgefochten und weiß daher besser als die meisten anderen, wie es steht um Open Access in der deutschen und europäischen Wissenschaftslandschaft.