CC Public Domain Mark freigegeben

Nach Abschluss der offenen Diskussionsphase hat Creative Commons gestern für gemeinfreie Werke ein neues Kennzeichen, die „Public Domain Mark” (PDM), verfügbar gemacht. Die PDM soll als einheitliches Kennzeichen für Werke dienen, die keinen urheberrechtlichen Schutzfristen mehr unterliegen, und zielt vor allem auf digitale Sammlungen und Archive ab, die bislang eine Vielzahl unterschiedlicher Kennzeichnungen für gemeinfreie Werke einsetzen. Letztlich soll die PDM hier mehr Klarheit und einen einheitlichen Metadaten-Standard schaffen sowie die Auffindbarkeit von gemeinfreien Inhalten erleichtern.

Als erstes größeres Projekt wird die digitale Bibliothek Europeana die  Public Domain Mark ab Mitte nächsten Jahres verwenden, grundsätzlich ist diese Kennzeichnung aber nicht auf Institutionen beschränkt, sondern kann auch von Einzelpersonen verwendet werden. Im Unterschied zu den bereits bekannten Creative-Commons-Modellen handelt es sich beim Public Domain Mark nicht um eine Lizenz, vielmehr soll nur auf einen bereits bestehenden rechtlichen Status hingewiesen werden. Wer als Urheber trotz bestehender Schutzansprüche auf diese verzichten will, kann für eigene Werke weiterhin das Werkzeug CC0 (CC-Zero) verwenden.

Bis 20.9. offen: Konsultation der EU zu Kulturerbe online

Die EU-Kommission hat einen „Ausschuss der Weisen zur Online-Verfügbarkeit von Europas Kulturerbe“ (!) eingerichtet, der darüber reflektieren soll, wie es dem kulturellen Erbe Europas in der digitalen Welt ergehen wird bzw. ergehen soll. Diese Gruppe hat nun eine öffentliche Konsultation zu ihrer Aufgabe eröffnet, an der grundsätzlich jede/r teilnehmen kann. Vom etwas seltsamen Titel des Ausschusses einmal abgesehen, ist die Konsultation eine ziemlich sinnvoll aufgebaute Online-Umfrage, die in weniger als 15 Min ausgefüllt werden kann. Noch bis zum 20.9. ist das möglich und wird hoffentlich von möglichst vielen getan.

Abstimmen und Sampler beim Free Music Contest 2010

Die Musikpiraten haben dieses Jahr zum zweiten mal ihren „Free! Music! Contest“ veranstaltet, diesmal mit starkem internationalen Einschlag und 130 Künstlern insgesamt. Aus der PM:

Diese enorme Steigerung der Teilnahmezahlen wurde nur durch die Unterstützung vieler Blogger, Online-Magazine, freier Radios und Internetradios möglich, die über den Contest berichtet haben. Insbesondere ist hierbei auch Cory Doctorow zu erwähnen, der als Schirmherr des Contests fungiert.

Der Contest soll vor allem auch die Bekanntheit von CC-lizenzierter Musik und den dahinter stehenden Bands und Künstlern fördern. Wie es sich gehört, gibt es auch dieses Jahr einen Sampler mit den am besten angekommenen Titeln, die die Jury aus über 10 Stunden Musik zusammengestellt hat: „Freeloaded“ besteht aus 2 CDs mit insgesamt 36 Titeln und ist natürlich frei zum Download verfügbar. Hier gibt es die Playlist, Links zu den Bands und die Download-Links zum Sampler selbst (auch OGG und als .torrent). Die CDs werden auch physisch ausgeliefert werden und können jetzt schon vorbestellt werden.

Die ersten Preise gingen an die Bands Reboot, Sanchez Band (beide aus Spanien) und Tetania (Weißrussland). Bis zum 30.9. kann die Netzgemeinde nun abstimmen, welche weiteren Bands die restlichen Preis-T-Shirts bekommen sollen. Am 2.10. findet dann die Party zum Contest in Wiesbaden statt.

SGAE setzt EXGAE juristisches Ultimatum

Das spanische Pendant zur GEMA, die „Sociedad General de Autores y Editores“ (kurz SGAE) hat ihre Anwaltskanzlei Lehmann & Cabaleiro ein Schreiben an die Initiative EXGAE schicken lassen, in dem die EXGAE offenbar aufgefordert wird, sich binnen 7 Tagen aufzulösen. Anderenfalls werde man ohne weitere Vorwarnung wettbewerbsrechtlich und wegen Verletzung der Markenrechte der SGAE gegen die EXGAE vorgehen und auf Schadensersatz klagen.

Leider ist noch keine englische Übersetzung des Schreibens erstellt. Falls also jemand des Rechts-Spanischen so mächtig ist, es zu übersetzen, dann wäre das hilfreich.

„SGAE setzt EXGAE juristisches Ultimatum“ weiterlesen

iRights.info und HBS: Copy.Right.Now!

cover_copyrightnowGestern ist in der Reihe Schriften zu Bildung und Kultur“ der Heinrich-Böll-Stiftung unter dem Titel „Copy.Right.Now!“ eine Sammlung von Plädoyers für ein grundlegendes Umdenken im Urheberrecht erschienen. Es handelt sich dabei um das Ergebnis einer Kooperation der Stiftung mit dem Projekt iRights.info und die insgesamt 18 Beiträge und Interviews des Buches beziehen mit Lawrence Lessig, Jeanette Hofmann, Jonathan Lethem und Cory Doctorow auch Sichtweisen von jenseits des Atlantiks mit ein.

Aus der Mitteilung bei iRights.info:

Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. Während es ursprünglich als ein auf den „genialen” Schöpfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Missbrauch konzipiert war, verstoßen wir, ob gewollt oder unbeabsichtigt, täglich gegen bestehendes Recht. Verlustfreies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Freiheit, den anderen als Einschränkung von künstlerischer Verfügungsgewalt und drohender Einnahmenverlust. Ein Ende der „Copyright Wars“ erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.

Das Buch ist zunächst als PDF und ab 15. April dann auch gedruckt kostenlos bei der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich. Bestelldaten:

Schriften zu Bildung und Kultur, Band 4:
Copy.Right.Now!
Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
In Zusammenarbeit mit iRights.info
Berlin, April 2010, 140 Seiten
ISBN 978-3-86928-031-8

Bestelladresse:
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Tel. 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de

1. Januar ist „Public Domain Day“

Aus Sicht der Allgemeinheit gibt es zu Neujahr immer etwas zu feiern. Ab diesem Tag sind weitere vormals geschützte Werke gemeinfrei, deren Urheber nämlich im 71. Jahr vorher gestorben sind (so zumindest die Regelung in den meisten Ländern dieser Welt). Diesmal sind das z.B. Sigmund Freud und William Butler Yeats. Ihre Werke sind seit heute nicht mehr urheberrechtlich geschützt und können ohne rechtliche Einschränkungen bearbeitet und genutzt werden. Um diese Vergrößerung der „Public Domain“ zu feiern, hat das Netzwerk COMMUNIA den Public Domain Day ausgerufen. Unter www.publicdomainday.org gibt es weitere Informationen zum Thema Gemeinfreiheit und eine alphabetische Auflistung der im Jahre 1939 gestorbenen Urheber.

WIPO-Artikel zur Umlizenzierung der Wikipedia

In der Novemberausgabe des zweimonatlich erscheinenden Magazins der WIPO ist ein Artikel von Herkko Hietanen erschienen, Legal Project Lead von CC in Finnland. Er setzt sich mit den Umständen der Um- bzw. Nachlizenzierung der Wikipedia-Inhalte auseinander und vor allem auch mit dem Problem der noch immer nicht erreichten Kompatibilität von Open-Access-Lizenzen untereinander.

Videos der all2gethernow sind online

Nachdem mehr als zwei Monate ins Land gegangen sind, haben es die Videos der all2gethernow in aufbereiteter Form ins Netz geschafft. Bei Vimeo findet man nun also fast alle Sessions des großen „Zählraums“ sowie Interviews und Statements einzelner Teilnehmer. Außerdem ist auch das Abschlusskonzert von Amanda Palmer dabei.

Eine der am stärksten frequentierten Sessions war „Werte 2.0 – Netzkultur vs Geistiges Eigentum“, die eine Brücke zwischen der c/o pop und der all2gethernow sein sollte:

a2n #camp: Werte 2.0 – Netzkultur vs. Geistiges Eigentum – Part 1 of 2 from all2gethernow on Vimeo.

SWR 2 Wissen: „Gemein-Freiheit – Vorboten einer freien digitalen Kultur“

Der Südwest-Rundfunk hat ein Feature über die im beginnenden digitalen Zeitalter zu beobachtenden Paradigmenwechsel zum „geistigen Eigentum“ produziert. Auch Creative Commons als Modell und rechtliches Werkzeug kommt darin vor.

Im Hinweistext zur Sendung heißt es u.a.:

(…) Denn die Vision einer freien digitalen Kultur rüttelt am Wertesystem, das sich auf den Buchdruck gründet und aus geistigen Werken besteht, die oft nur Einzelne besitzen. Sie verweist auf eine überlieferte Metapher: Die jeweils lebende Generation steht auf den “Schultern von Riesen”. Das heißt, alle Menschen schöpfen unentwegt aus dem kulturellen Erbe und arbeiten mit ihren Ideen und Werken daran weiter.

Die Sendung ist mit viel Kompetenz gemacht worden und daher durchaus als MP3 nachhörens- bzw. als Manuskript nachlesenswert.

GEMA vor der Selbstauflösung?

Beim Camp der all2gethernow in Berlin im September diesen Jahres war schon bei der allerersten Diskussionsrunde „Verwertungsgesellschaften und alternative Lizenzen“ eine gänzlich ungewohnte GEMA zu erleben gewesen. Deren Justiziar Kilian Steiner hatte nämlich – wenn auch auf tadellosem Englisch – zu verstehen gegeben, dass die GEMA-Offiziellen bereit sind, das gesamte System der altehrwürdigen Gesellschaft auf den Prüfstand zu stellen. Vor dem Hintergrund alternativer Verbreitungs- und Verwertungsmodelle im Netz solle es keine Denkverbote geben, was die Arbeitsweise der GEMA angehe, so Steiner. Das lässt auf einen vernünftigeren Umgang hoffen.

Es gab allerdings am nächsten Tag eine weitere Veranstaltung mit GEMA-Beteiligung, und zwar ein klassisches Panel im Rahmen der Cloud der all2gethernow: Der VUT hatte zusammen mit media.net berlin brandenburg in den Meistersaal am Potsdamer Platz geladen und war auf dem Panel auch mit seinem Vorsitzenden und Freibank-Chef Mark Chung vertreten. Unter juristisch geschulter Moderation hieß das Thema „Musik im Internet – Nadelöhr Rechteerwerb“. Alle Diskutanden schienen dabei mehr oder weniger frei von zurechtgelegten Aussagen drauflos zu sprechen, aber vor allem Alexander Wolf (bei der GEMA u.a. Syndikus für internationale Rechtsfragen) hatte überraschende Antworten parat.  „GEMA vor der Selbstauflösung?“ weiterlesen